Ob er denn gut auf die Pressekonferenz vorbereitet sei, wollten die Nachwuchsreporterinnen und -reporter gleich zu Beginn wissen. „Noch geht es mir gut – es kommt auf die Fragen an“, antwortete Rodionov. Schnell wurde klar: Einfach würde es für ihn nicht werden.
Ein Kind wollte etwa wissen, ob auch Rodionov manchmal einen Schläger zerhacke – und ob seine Mutter dann mit ihm schimpfe. „Als ich jünger war, ist mir das auch passiert“, gab der 27-Jährige offen zu. Inzwischen schaue seine Mutter allerdings nur noch selten bei seinen Matches zu: „Für sie ist das emotional nicht so einfach, wenn sie meine Fehler sieht.“
Vom Hobby zum Beruf
Rodionov erzählte den Kindern auch von seinem Weg zum Tennisprofi. Mit vier Jahren hielt er erstmals einen Schläger in der Hand, mit elf oder zwölf begann er, Turniere zu spielen. Ab seinem 14. Lebensjahr betrieb er den Sport professionell. Was als Hobby begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einer Leidenschaft – und schließlich zu seinem Beruf.
Ein Beruf, der viel Zeit verlangt: Drei bis vier Stunden Tennistraining, ein bis zwei Stunden Fitness sowie Massagen und Regeneration stehen täglich auf dem Programm. „Offiziell trainiere ich 24/7, weil ich für den Sport lebe“, erklärte Rodionov mit einem Augenzwinkern.
Zu seinen größten Erfolgen zählt er den jüngsten Davis-Cup-Sieg gegen Belgien, zu dem er zwei Einzelsiege beisteuerte. Besonders gerne erinnert er sich auch an seinen Erfolg gegen Denis Shapovalov in der Wiener Stadthalle. „Im Davis Cup spiele ich generell mein bestes Tennis. Das würde ich mir auch für die Tour wünschen.“
„Viele von uns machen den Sport wegen euch“
Besonders herzlich wurde es bei der Frage, wie es sich anfühlt, von den Fans angefeuert zu werden. „Das ist eines der schönsten Gefühle überhaupt“, sagte Rodionov. „Ich glaube, viele von uns machen diesen Sport auch wegen euch – wegen des Lächelns und der geballten Faust nach einem gewonnenen Punkt. Wir arbeiten so hart, weil wir die Menschen mit unserem Tennis begeistern wollen.“
Dass der Profisport nicht nur schöne Momente bereithält, verschwieg Rodionov seinen jungen Gesprächspartnern ebenfalls nicht. Als Beispiel nannte er eine Niederlage in Mauthausen, bei der er sieben Matchbälle vergeben hatte. „Das hat sehr wehgetan, noch dazu vor heimischem Publikum. Aber das gehört zum Sport. Tennis ist mental eine der schwierigsten Sportarten, weil man alleine auf dem Platz steht. Auch nach solchen Niederlagen muss man weitermachen.“
Von einem anderen Profi würde er sich daher am liebsten die mentale Stärke von Novak Djokovic ausborgen: „Er ist ein mentales Monster und kann in brenzligen Situationen sein bestes Tennis zeigen.“
Nervosität und Gedanken ans Abendessen
Auch vor großen Matches bleibt Rodionov von Nervosität nicht verschont. „Dann bin ich mehrmals auf dem Klo“, verriet er zur großen Erheiterung seines jungen Publikums. Anschließend spreche er viel mit seinem Team, versuche ruhig zu bleiben und sich auf seine Stärken zu konzentrieren.
Und woran denkt ein Tennisprofi, wenn er im entscheidenden Satz mit 0:5 zurückliegt? Rodionovs spontane Antwort: „Was es zum Abendessen gibt.“ Ganz im Ernst sei es in einer solchen Situation natürlich schwierig, noch positiv zu bleiben.
Seine Emotionen auf dem Platz habe er mittlerweile deutlich besser unter Kontrolle. Statt sich nach einem Fehler selbst zu beschimpfen, versuche er heute, konstruktiv mit sich zu sprechen: nicht „Warum spielst du ins Netz, du Idiot?“, sondern lieber „Beim nächsten Mal höher über das Netz.“
Als seine wichtigsten Vorbilder bezeichnete Rodionov am Ende nicht Roger Federer, Novak Djokovic oder Rafael Nadal, sondern seine Eltern: „Ohne sie würde ich heute nicht hier sitzen. Ich bin sehr dankbar, dass sie mir ermöglicht haben, meinen Beruf auszuüben.“
Nach der letzten Frage erfüllte Österreichs Davis-Cup-Held selbstverständlich noch zahlreiche Autogrammwünsche – und beendete damit eine Pressekonferenz, bei der nicht nur die Kinder ihren Spaß hatten.

